"Time is
a River" - Ein Interview mit Robert Julian
Horky über seine CD
I: Was bedeutet der Titel deiner neuen
CD "Time is a River"?
RJH: Mein Zugang war, die Zeit als
Fluss zu sehen, der durchs Universum fließt. Damit
entferne ich mich von dem Klischee, dass Raum erst durch
Zeit existiert. Es gibt nichts, was ihn begrenzt und
trotzdem ist es eine Konzentration von Energie. Wenn
man sein Flussbett verlässt, nähert man sich
der Zeitlosigkeit. Mir ist ja von allen Zeiten die Abenddämmerung
am liebsten. Knapp bevor die Sonne unterm Horizont verschwindet
sind unser aller Schatten endlos lang. Das gibt für
mich im Herzen für einen kurzen Augenblick das
Gefühl ungeheurer Schwerelosigkeit, so wie die
Ufer unserer Existenzmöglichkeit zu berühren.
Indessen am Morgen kommt die Sonne und schraubt unsere
Schatten am Boden fest.
I: Deine Titelreihung auf "Time
is a River" kann man als Abenteuergeschichte lesen.
Als erstes tritt der Held auf, der "Universal Traveller".
RJH: Ja, aber ob es ein Held ist?
I: Er gerät zur "Abyss of
time", einem Abgrund, dem Bedrohlichen der Zeit...
RJH: ...eine Art von Hindernis, das
sich entgegenstellt. Und die Frage ist, wie kann man
diese Grenze überschreiten.
I: Dieser Abgrund wird in der nächsten
Nummer, "Eclipse", auch noch verdunkelt.
RJH: Doch schwarz wird immer nur ein
Teil unserer Existenz, nie das Ganze. Man muss sich
allerdings mit all seinen Fähigkeiten einsetzen,
um ein existenzielles Hindernis zu überwinden.
Man muss sich vielleicht auch plötzlich um ganz
neue Dinge kümmern und kann sein voriges Ziel vorläufig
nicht weiter verfolgen.
I: Die nächste Nummer heißt
"Vision". Bezeichnet sie das Fahrzeug, das
einen hinaus tragen könnte aus einer Krise?
RJH: Am Rande der Zeit, wenn das Licht
verschwindet und es dunkel wird, sieht man nicht mehr
viel, man kann dann eigentlich nur mehr hören...
I: ...und dein Held hört - so
der Titel der darauf folgenden Nummer - eine "Deep
Talking Flute", eine Flöte, die tiefere Wahrheit
bringt?
RJH: nein, es ist eigentlich mehr
ein kleiner Vogel, der auf irgendeinem Baum etwas zwitschert.
Man ist mit großen Problemen beschäftigt,
doch vielleicht genügt es, sich dort am Abgrund
hinzusetzen und zu hören, was rund um einen passiert.
I: Und dann eben merkt man, dass Zeit
ein Fluss ist und dass man sich ans Ufer setzen kann.
Auf "Time is a River" folgt "Flight over
Waters".
RJH: Da geht es um ein ganz stilles
Gleiten über einen Boden, den man nicht berühren
kann. Wenn wir als Menschen in große Wasserflächen
reinfallen sind wir verloren. Genauso wär's, wenn
man mitten in den Fluss der Zeit stürzt.
I: Du empfiehlst da ...
RJH: ...das Bewusstsein, dass man
fliegen kann.
I: Was bedeutet dann "Watch your
mind", das nächste Stück.
RJH: Unser Mind erklärt uns ständig,
wie die Welt wirklich ausschaut, dass wir Materie und
Gewicht haben und dass es daher völlig unmöglich
ist...
I: ...das rondoartige Thema, das sich
fast schon jahrmarktsartig verwindet?
RJH: Ich glaube nicht, dass unser
Geist ein Jahrmarkt ist, aber dass das, was wir "Mind"
nennen, von uns allen überschätzt wird. Dieser
Teil ist nicht so kreativ und so verantwortlich für
das, was wir erleben. Ich empfehle das als Meditation
oder Übung für alle, die so was interessiert:
Sie sollen sich an das Ufer eines Flusses setzen und
sich vorstellen, dass sie über diesen Fluss hinübergleiten
und am anderen Ufer den Boden betreten. Bloß als
Übung.
I: Die Nummer neun heißt "A
Shaman's Dream". Diese Empfehlung, die du da gibst,
das klingt schon nach Schamanentraum. Und "Silence
in Motion", das zehnte Stück, dort soll man
hinkommen?
RJH: Es geht darum, wie real man seine
Reise unternimmt. Wenn ich jetzt wo bin, wo ich sein
will und gleichzeitig das Gefühl der Irrealität
habe, dann habe ich die Verantwortung dafür nicht
übernommen. Das heißt nicht, dass man den
Tod des Schamanen oder des Regenmachers stirbt, sondern
nur, dass man alte Strukturen verlassen muss um neue
zu schaffen.
I: Dafür ist Stille notwendig
und genauso Bewegung?
RJH: Es ist unmöglich für
uns gar nichts zu hören. Stille ist eigentlich
immer nur ganz leise Information. Es hat etwas mit einem
Außen zu tun oder einem Gegenüber, das ruhiger
wird, das plötzlich unser inneres Ich lauter werden
und über die Grenzen hinaussteigen lässt.
I: Und dieses Ich, das über die
Grenzen hinaussteigt, ist dann ein Teil von dem, was
in dieser langen letzten Nummer Thema wird, "The
Cosmic Elevator", die aus so vielen unterschiedlichen
Teilen und Stimmungsbildern besteht.
RJH: Ja so ist eine Reise. Sie bringt
uns fort und zwar so, dass wir den Ausgangspunkt möglicherweise
nicht mehr so betreten können, wie wir ihn verlassen
haben. |